Technische Universität München
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SS 2014 | Masterthesis

KLAUS-HEMMERLE-SCHULE

 

Mehrgenerationenhaus und Seniorenpflegeheim

Haupteingang Franzstraße

Das neue Seniorenpflegeheim mit dem daran angegliederten Gemeindezentrum, soll in das Quartier integriert werden. Das Formulieren einer neuen Adresse ist wichtig, um die ehemalige Klaus-Hemmerle-Schule als attraktiven Gemeinschaftstreffpunkt zu aktivieren. Der Haupteingang wird direkt an das ovale Haupttreppenhaus verlegt, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, sowie einen prominenten Zugang zum Gebäude zu schaffen. Die zusätzliche Überhöhung der Ecke markiert den neuen Haupteingang. Das derzeitige Sockelgeschoss mit kleinen Kellerfenstern und der dahinterliegenden Hausmeisterwohnung nimmt eine abweisende Haltung gegenüber den Passanten ein. Hier soll durch eine Nahversorgungszone mit Frisör, Bäcker und Apotheke eine zentrale Versorgung für das Quartier und das Seniorenpflegewohnheim realisiert werden. Die Öffnung zur Straße vernetzt das Gebäude mit der Umgebung.

Flur mit Aufenthaltsbereich

In dem Gebäude der ehemaligen Klaus-Hemmerle Schule werden im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss Pflegezimmer eingebaut. Im neuen Aufbau im 2. Obergeschoss werden Wohnungen für Betreutes Wohnen realisiert.

Zwischen zwei tragenden Bestandswänden, zwischen denen die Klassenräume angeordnet waren, können aufgrund der fünf-Teilung der Fassade jeweils nur zwei Pflegezimmer angeordnet werden. Diese sind, wie die Klassenräume, jeweils zu den Süd-West-Seiten des Gebäudes orientiert, so dass auf den Nord-Ost-Seiten der notwendige Flur bestehen bleibt. Die Fläche zwischen zwei Bestandswänden beträgt ca. 70 m². Da für ein Pflegezimmer nur ca. 16 m² mit Bad empfohlen werden, werden in der mittleren Schicht Funktionsräume angeordnet, die kein Tageslicht benötigen und in direkter Nähe zu den Zimmern angeordnet sein müssen. Rücksprünge in dieser Funktionsschicht schaffen Aufenthaltsbereiche. Entlang der Fenster ist eine lange Sitz-Zone angeordnet, die den Flur als Aufenthalts- und Gemeinschaftsraum stärkt.

Pflegezimmer

Bei den Pflegezimmern im Haupttrakt der Schule werden zwei unterschiedliche Typen angeboten. In dem Bereich, in dem in der Funktionsschicht ein großer Raum, wie z.B. das Pflegebad, benötigt wird, teilen sich die zwei angegliederten Zimmer ein Bad. Diese Tandem-Lösung ermöglicht ein rollstuhlgerechtes Bad mit direktem Tageslicht.

Der andere Zimmertyp hat jeweils sein eigenes barrierefreies Bad, da durch die kleineren Funktionsräume mehr Platz zur Verfügung steht. Eine gemeinsame Loggia ist am mittleren Fenster zwischen den zwei Zimmern angeordnet.

Das Gebäude wird zum Erhalt des bestehenden Sicht-Mauerwerks mit einer Innendämmung versehen. Wände und Decken sind verputzt. Der Boden, sowie alle festen Möbel sind aus hellem Fichten-Holz. Im Bereich des neuen Unterzugs entlang der Fenster wird eine Möbelschicht mit jeweils einem Schreibtisch und einer Sitzbank integriert.

Konstruktion

Im Bereich der Bauteile B und C möchte ich das bestehende Dachgeschoss abnehmen und durch eine Aufstockung ersetzen. Die neue Traufkante nimmt dabei die Traufkante des benachbarten Bauteils A auf.

Um diese Aufstockung zu ermöglichen ist ein neues statisch unabhängiges System nötig, da die Bestandskonstruktion aufgrund der extremen Materialeinsparungen die zusätzlichen Lasten sehr wahrscheinlich nicht aufnehmen kann.

Das Bestandsgebäude selber wird zum Schutz der alten Backsteinfassade mit einer Innendämmung versehen. Da ich die Größe der Bestandsfenster optisch nicht verringern möchte, bildet eine kleine Betonfasche einen zusätzlichen zurückversetzten Rahmen, welcher der Einrückung durch die Innendämmung entspricht.

Fazit

Die Gebäude der Nachkriegsarchitektur, zu denen auch die Klaus-Hemmerle-Schule gehört, werden heute als „hässlich“ und gealtert zur Disposition gestellt, um ihre innerstädtischen Grundstücke mit einer neuen extravaganten Architektur dicht zu bebauen. Selbst denkmalgeschützte Kultur- und Bildungsbauten der Nachkriegsmoderne bleiben dieser Gefahr ausgesetzt, auch wenn ihre architektonische Qualität, städtebauliche Integrität und historische Bedeutung längst erkannt wurde.

Die Klaus-Hemmerle-Schule mit der strengen Rasterung, der rationalen Konstruktionsweise mit der Reduzierung der Materialien auf ein Minimum und dem behutsamen Einfügen in das Quartier sollte als Zeichen seiner Zeit erkannt und erhalten werden. Das Schulgebäude bietet durch seine klare Raumstruktur optimale Voraussetzungen für eine Umnutzung. Als ehemals öffentliche Anlaufstelle soll sie gleichzeitig wieder der Gemeinde zugänglich gemacht werden und einen Mehrwert für das Quartier darstellen.

Die Problematik leerstehender Schulen wird sich in Zukunft verschärfen. Mit ihrer zentralen Lage und dem enormen Flächenangebot bieten sie die idealen Bedingungen für eine quartiersoffene Nutzung, in der Pflegebedürftige Personen einen einfachen Anschluss zur Gemeinschaft finden können.

Mit meinem Konzept für ein Mehrgenerationenhaus und Seniorenpflegeheim schaffe ich 38 neue Pflegeplätze, 10 Apartments für Betreutes Wohnen und drei rollstuhlgerechte Wohnungen. Ein neuer Kindergarten, der als Teil des neu angelegten Stadtgartens geplant werden soll, bietet Platz für die derzeit in dem Schulgebäude untergebrachten Kinder. Das neue Gemeindezentrum mit einer Kapelle und die Nahversorgung entlang der Franzstraße stellen wichtige Verknüpfungspunkte mit dem Quartier und den Bewohnern, bzw. Nutzern untereinander dar.

Mein Konzept stellt sowohl auf städtebaulicher Ebene als auch auf Wohnebene ein integratives Konzept dar. Das Seniorenpflegeheim wird durch die öffentlichen Funktionen und die Durchmischung mit anderen Wohnformen in das Quartier eingebunden. Auf Wohn-Ebene werden die Bewohner nicht in separaten Wohngruppen untergebracht, sondern die Zimmer öffnen sich direkt zu den großzügigen Fluren und Treppenhäusern, die gleichzeitig Gemeinschafts- und Aufenthaltszonen darstellen.

Professur:

Entwurfsmethodik und Gebäudelehre

Betreuer:

Prof. Dipl.-Ing. Florian Nagler,

Anika Gründer

Judith Resch

Verfasser:

Ines Terstappen

Note:

1,7